Brücke zwischen Betrieb und Parlament

Eine starke Linke braucht starke Gewerkschaften. Die Kontaktstelle Gewerkschaften der Linksfraktion soll betriebliche Kämpfe und gewerkschaftliche Forderungen mit ihrer Arbeit im Bundestag verbinden. Jan Richter über Klassenpolitik als Brücke zwischen Betrieb und Parlament.

Brücke zwischen Betrieb und Parlament
Illustration: KI-generiert

Die Linke ist seit letztem Jahr wieder in Fraktionsstärke im Bundestag vertreten. Ihre Abgeordneten arbeiten in den Ausschüssen zu zentralen Konfliktfeldern unserer Zeit – von Industriepolitik, Rente und Arbeitszeit bis hin zu Wohnen, Demokratie und Klimapolitik. Unter ihnen sind viele aktive oder ehemalige Gewerkschafter*innen aus unterschiedlichen Branchen, die ihre Erfahrungen aus der Arbeit in Betrieben, Gewerkschaftshäusern und Interessenvertretungen nun in die parlamentarische Arbeit einbringen. So haben die Forderungen und Perspektiven von Beschäftigten auch im Bundestag eine Stimme.

Kontaktstelle Gewerkschaften

Ein Jahr neue Linksfraktion bedeutet auch den bewussten Wiederaufbau verbindender Strukturen zwischen Parlament und Arbeitswelt. Seit Februar gibt es erneut eine Kontaktstelle Gewerkschaften – angesiedelt direkt im Vorstandsbereich der Fraktion. Sie ist mehr als ein organisatorischer Knotenpunkt: Sie verbindet Kämpfe in Betrieben und Tarifrunden mit der Arbeit im Parlament. Sie koordiniert den Austausch mit Gewerkschaften sowie Betriebs- und Personalräten, greift Konflikte und Forderungen aus der Arbeitswelt auf und bringt sie in die politische Arbeit der Fraktion ein.

Dazu ist die Kontaktstelle regelmäßig außerparlamentarisch präsent: bei Gewerkschaftstagen und Bundeskongressen, auf Warnstreiks, bei Treffen von Betriebsräten, Vertrauensleuten und Betriebsgruppen sowie im Austausch mit Gewerkschaften und ihren parlamentarischen Verbindungsbüros. Dabei entstehen direkte Drähte zwischen den Auseinandersetzungen in den Betrieben und der Arbeit der Fraktion.

Die Wiedereinrichtung der Kontaktstelle ist kein organisatorischer Selbstzweck. Sie ist Ausdruck eines politischen Verständnisses, das parlamentarische Arbeit und gewerkschaftliche Organisierung nicht getrennt voneinander denkt.

Die Linke sieht Beschäftigte nicht als eine Interessengruppe unter vielen und Gewerkschaften nicht als beliebige Interessenvertretungen. Sozialer Fortschritt wird nicht gewährt, sondern erkämpft – von Beschäftigten, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen. Wo Menschen sich zusammenschließen, entsteht die Gegenmacht, die reale Verbesserungen durchsetzen kann. Deshalb sind Gewerkschaften zentrale Akteure gesellschaftlicher Veränderung.

Gerade in Zeiten von Standortschließungen, Personalabbau und Angriffen auf Arbeitszeiten, Renten und Mitbestimmung entscheidet sich, ob die Interessen von Beschäftigten wirksam vertreten werden können. Wo Unternehmen und Politik sozialen Fortschritt infrage stellen, braucht es organisierte Gegenmacht in der Arbeitswelt und eine politische Vertretung, die diese Auseinandersetzungen aufgreift und unterstützt. Deshalb gewinnt die Verbindung zwischen gewerkschaftlicher Organisierung und parlamentarischer Politik an Bedeutung.

Klassenpolitik braucht Verbindung

Die Kontaktstelle soll betriebliche Auseinandersetzungen und gewerkschaftliche Forderungen mit der parlamentarischen Arbeit der Bundestagsfraktion verbinden. Sie übersetzt Konflikte aus der Arbeitswelt in politische Vorstöße und trägt parlamentarische Impulse zurück in die Gewerkschaften. So trägt sie dazu bei, die Trennung zwischen Parlament und Arbeitswelt aufzubrechen, gewerkschaftliche Interessen als eigenständige Kraft zu stärken und Klassenpolitik auch parlamentarisch dauerhaft zu verankern.

Eine starke Linke braucht starke Gewerkschaften. Und starke Gewerkschaften brauchen eine verlässliche politische Partnerin, die ihre Kämpfe aufgreift und unterstützt. Die Kontaktstelle Gewerkschaften soll dazu beitragen, diese Verbindung dauerhaft zu stärken – als Brücke zwischen Betrieb und Parlament.

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Jan Richter leitet das Vorstandsbüro der Bundestagsfraktion Die Linke und ist Mitglied der BAG Betrieb & Gewerkschaft.
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Der Beitrag erschien in einer kürzeren Fassung in der diesjährigen Mai-Ausgabe unserer Zeitung WELT DER ARBEIT. Für die Veröffentlichung auf der Homepage wurde er erweitert und um die politische Idee hinter der Kontaktstelle ergänzt.