Die Linke auf dem Weg zur organisierenden Klassenpartei
Stefan Nagel beschreibt, warum Die Linke ihre betriebliche und gewerkschaftliche Verankerung stärken muss. Angesichts verschärfter Angriffe auf Beschäftigte plädiert er für mehr Organisierung, Bildung und Vernetzung, um Kolleg*innen für soziale Veränderungen zu gewinnen.
“Ihr seid zu unproduktiv. Ihr seid zu oft krank. Ihr werdet zu alt, um nur 45 Jahre zu arbeiten. Die Sozialabgaben und Unternehmenssteuern sind in Deutschland zu hoch. Bis zu 150.000 Jobs werden in Deutschland 2026 in der M+E Industrie wegfallen.“ Es ist der Geschäftsführer vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall, Oliver Zander, der hier den Teufel an die Wand malt.
Ich bin Stefan Nagel. Ich arbeite in der Automobilindustrie und erwischte mich nach dem Lesen dieser Nachricht dabei zu denken, “Dieses Jahr ist Tarifrunde. Klar, dass die Arbeitgeber uns jetzt schon in die Defensive drängen wollen“. Ich bin müde mich immer wieder darüber aufzuregen, wie dreist und abschätzig sich die Kapitalseite und deren politische Handlanger*innen über mich und meine Kolleg*innen, sowie über unsere soziale Belange äußern. Die Motivation für meine Arbeit in der Linken beziehe ich daher aus den Gesprächen mit meinen Kolleg*innen.
Politik spielt dabei oft eine Rolle. Es ging bisher aber so gut wie nie um die Themen, die uns ganz konkret am Arbeitsplatz betreffen. Doch mit den immer klareren Kampfansagen von Merz und Co. wendet sich das Blatt langsam. Niemand möchte mehr arbeiten oder erst mit 70 in Rente gehen. Die Empörung gegenüber einer Politik, die sich immer deutlicher gegen uns Lohnabhängige wendet, wächst. Genau jetzt braucht es Linke in den Betrieben, die dies politisch einordnen und den Zusammenhang zu dem Klassenkampf von oben, der nun aufgrund multipler globaler Krisen des Kapitalismus vollends entfesselt wird, herstellen.

Wir haben viele betrieblich und gewerkschaftlich aktive Linke in unserer Partei. Wir müssen sie organisieren und dazu befähigen, in ihren Betrieben wirkmächtig zu werden. Um dafür eine Strategie zu entwickeln, mache ich mich mit Genoss*innen aus verschiedenen Strukturen unserer Partei auf den Weg. Unsere Ansätze und Ideen sind ähnlich. Die Basisstrukturen spielen dabei eine zentrale Rolle beim Mapping und der Vernetzung von Kolleg*innen.
Für die Entwicklung von Bildungsangeboten, die Kolleg*innen dazu befähigen als Linke in ihrem Betrieb und in ihrer Gewerkschaft wirkmächtig zu werden, braucht es aber auch hauptamtliche Kapazitäten. Genauso wie für die Gesamtkoordination der betrieblichen bzw. gewerkschaftlichen Arbeit der Linken und für strukturelle Entwicklungen, die für das betriebliche Mapping unserer Genoss*innen notwendig sind. Es braucht also auch richtige strategische Entscheidungen der Parteispitze, wofür welche Mittel ein gesetzt werden.
Eines ist dabei aber klar. Viele Gründe für die verschiedenen Probleme, die uns als Linke beschäftigen, liegen im Kapitalismus begründet. Um diesen für etwas Soziales, Umweltgerechtes und Friedliches zu überwinden, brauchen wir die Köpfe und Herzen der Kolleg*innen und ihre Kraft, das System lahmzulegen. Der radikale Klassenkampf von oben wird es uns leichter machen, den Klassenkampf von unten zu organisieren.
Artikel wurde am 6. Juni 2026 gedruckt. Die aktuelle Version gibt es unter https://betriebundgewerkschaft.de/die-linke/2026/06/die-linke-auf-dem-weg-zur-organisierenden-klassenpartei/.
