Vierte Gewerkschaftskonferenz für den Frieden
Spitzt sich die Kriegsgefahr zu und wächst der Druck auf Sozialstaat und Arbeitsrechte, müssen Gewerkschaften die Friedensfrage zur Klassenfrage machen. Die Debatte dazu bündeln wir im Juli in Würzburg.
Das Jahr 2026 begann mit dem völkerrechtswidrigen Angriff auf Venezuela. Die USA versuchten damit, den Einfluss Chinas in Lateinamerika zurückzudrängen. Sie erhöhten zudem den Druck auf Kuba, Kolumbien und Mexico. Sie beanspruchten Grönland. Und nun führen Sie einen Krieg gegen den Iran, der sich schnell zu einem Dritten Weltkrieg ausbreiten kann. Die internationalen Beziehungen verändern sich mit atemberaubender Geschwindigkeit.
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Zu Recht verurteilen zahlreiche nationale und internationale Gewerkschaftsbünde diese Völkerrechtsbrüche. Und zu Recht gehen in vielen Ländern immer mehr Menschen aus Protest gegen die wachsende Kriegsgefahr auf die Straße. Immer deutlicher zeigt sich: Wer das Völkerrecht nicht respektiert, der wird auch Arbeits- und Gewerkschaftsrechte nicht respektieren. Der von Trump herbeigeführte Zustand der Regellosigkeit hat Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen. Aber er verändert auch die innenpolitische Lage. Das Vorgehen der Antimigrationsbehörde ICE in den USA zeigt deutlich, wie sehr Aufrüstung und Rechtlosigkeit nach außen mit Aufrüstung und Rechtlosigkeit nach innen einhergehen.
Das ist für uns in Deutschland deshalb relevant, weil wir vor den schärfsten Sozialangriffen in der Nachkriegsgeschichte stehen. Der Sozialstaat soll umgebaut, der Epochenbruch in der Sozialpolitik eingeleitet werden. Abschaffung des Achtstundentages, Streichung von Feiertagen, Vorkasse bei Arztbesuchen, Rente mit 73 oder die Abschaffung des Pflegegrad eins. All das zeigt: Die Hochrüstung geht zu Lasten des Sozialstaates. Und es sind die Beschäftigten, die die Rechnung dafür zahlen sollen.
Die Bundesregierung stellt damit nicht nur das Recht auf soziale Sicherheit in Frage, sondern auch fundamentale Arbeits- und Gewerkschaftsrechte. Und sie greift die Gewerkschaftsbewegung frontal an. Sie bedroht nicht nur die Existenz des Sozialstaates, sondern auch die Existenz der Gewerkschaften. Es zeigt sich: Je mehr sich verteilungs- und außenpolitische Fragen ineinander verschränken, desto stärker müssen die Gewerkschaften ihre Rolle als Friedensorganisationen ausfüllen und dem Gerede von der Kriegstüchtigkeit die Sprache der Friedenslogik entgegensetzen. Nicht ohne Grund heißt es in der Satzung des DGB: „Der Bund und die in ihm vereinigten Gewerkschaften (…) treten für eine allgemeine und weltweite kontrollierte Abrüstung, für die Verwirklichung und Erhaltung des Friedens und der Freiheit im Geiste der Völkerverständigung ein“.
Daran wollen wir mit der inzwischen Vierten Gewerkschaftskonferenz für den Frieden anknüpfen. Wir wollen die Auswirkungen der aktuellen Kriegsvorbereitungen auf die Beschäftigten diskutieren. Und wir wollen darüber reden, was angesichts dieser Entwicklung zu tun ist.
Programm
Erster Tag: Freitag, 24. Juli
13:00 Uhr Anmeldung
13:30 Uhr Peter Schüllermann - Lieder gegen den Krieg
13:45 Uhr Begrüßung und Eröffnung: Mit Norbert Zirnsak (1. Bevollmächtigter IG Metall Würzburg) und Bernd Riexinger (Vorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung)
14:15 Uhr Zerbricht die Weltordnung? Mit Miguel E. Torres Tesoro (stv. Botschafter von Kuba) und Ingar Solty (Referent für Außen- und Sicherheitspolitik bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung)
15:45 Uhr Pause
16:15 Uhr Achtstundentag, Rente, Sozialabbau – Wer zahlt für die Aufrüstung und was können wir dagegen tun? Es diskutieren: Sinan Öztürk (stv. Bezirksvorsitzender ver.di Bayern), Wolfgang Däubler (Arbeitsrechtler), Sidar Carman (Geschäftsführerin ver.di Stuttgart) und Gürcan Erdinc (Betriebsratsvorsitzender MiWe Arnstein)
18:00 Uhr Pause
18:30 Uhr Proteste gegen die Militarisierung von Schule und Hochschule. Mit einem inhaltlichen Input von Nicole Gohlke (MdB Die Linke). Es diskutieren: Annabell Franz (Jugendsekretärin IG Metall Würzburg), Alia Horstmann (Schulstreikkomittee Hamburg), Franziska Müller (DGB Jugend Unterfranken), Sarah Kaiser (ver.di, JAV Universitätsklinik Essen) und Nick Papak Amoozegar (IG BAU/ aktiv in der Palästina-Solidarität).
Zweiter Tag: Samstag, 25. Juli
09:00 Uhr Reinhard Frankl - Lieder gegen den Krieg
09:15 Uhr Stimmen des Friedens aus Russland und der Ukraine: Mit Pawel (Antikriegsaktivist Russland) und Konstantin (Antikriegsaktivist Ukraine), Postsowjetische Linke
09.30 Uhr Panzer statt Autos - Rüstungskonversion als Antwort auf Arbeitsplatzabbau? Es diskutieren: Heinz Bierbaum (Ökonom), Britta Kleinhempel (ehem. BR Airbus Defense & Space und ehrenamtliches Vorstandsmitglied der IG Metall), Anne Rieger (ehem. Bevollmächtigte der IG Metall Waiblingen), Yves Weinberger (Betriebsratsvorsitzender Brose Würzburg) und Cem Ince (MdB Die Linke)
11:00 Uhr Pause
11:30 Uhr Arbeitsgruppen-Phase
AG 1 | Krankenhäuser für den Kriegsfall - wie trifft uns die Militarisierung des Gesundheitswesens? Mit Susanne Hille (Landesfachbereichsleiterin Gesundheit, ver.di NRW) und Angelika Claussen (IPPNW)
AG 2 | Autoritärer Staatsumbau – Wie Militarisierung und Aufrüstung die Rechtsentwicklung befördern. Mit Mark Ellmann (Münchner Bündnis „Soziales rauf, Rüstung runter“) und Roman Rauschert (Verein zur Bewahrung der Demokratie, München)
AG 3 | Post, Hafen, Lagerlogistik und ihre Relevanz für die Kriegsertüchtigung. Mit Nonni Morisse (Gewerkschaftssekretär Bremen/ Bremerhaven) und Kurt Baumann (ver.di-Vertrauensmann, Zusteller, Deutsche Post AG, Kassel)
13:00 Uhr Mittagspause
13:30 Uhr Den Frieden sichern: Warum es dabei auf die Gewerkschaften ankommt. Es diskutieren Jérome Legavre (La France Insoumise), Alex Gordon (ehem. Vorsitzender der britischen Eisenbahnergewerkschaft), Ulrike Eifler, 2. Bevollmächtigte IG Metall Würzburg), Jules El-Khatib (Mitorganisator von „All Eyes on Gaza“), Reiner Braun (International Peace Bureau, Berlin), Mark Ellmann (Münchner Bündnis „Soziales rauf, Rüstung runter"), Özlem Demirel (MdEP Die Linke), Ronja Fröhlich (aktiv im Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“) und José Nivoi (Hafenarbeiter, Genua, angefragt)
15:30 Uhr Ende
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Artikel wurde am 19. Mai 2026 gedruckt. Die aktuelle Version gibt es unter https://betriebundgewerkschaft.de/gewerkschaftspolitische-konferenzen/2026/03/vierte-gewerkschaftskonferenz-fur-den-frieden/.

