Pflege ist Arbeit. Kein Sparposten!
Die Bundesregierung nennt es Pflegereform. Tatsächlich kürzt sie Leistungen für Pflegebedürftige, bürdet Angehörigen noch mehr unbezahlte Arbeit auf und setzt Beschäftigte bei den Löhnen unter Druck. So wird die Pflegekrise nicht gelöst, sondern verschärft.
Pflege ist kein Luxus, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Millionen Menschen sind darauf angewiesen, dass andere für sie sorgen – professionell im Pflegeberuf oder unbezahlt in der Familie. Die damit einhergehende Belastung ist schon heute enorm. Vor allem Frauen reduzieren ihre Erwerbsarbeitszeit, verzichten auf Einkommen und nehmen Nachteile bei der Rente in Kauf, um Angehörige zu versorgen. Statt sie zu entlasten, bürdet ihnen die Bundesregierung in dieser Woche noch mehr Verantwortung auf.
Die Arbeit verschwindet nicht
Mit dem Pflegeneuordnungsgesetz will die Bundesregierung die Unterstützung weiter einschränken: Leistungen sollen gestrichen, zusammengelegt oder schwerer zugänglich werden. So soll der monatliche Entlastungsbetrag von 131 Euro für Menschen mit Pflegegrad 1 entfallen. Auch die Verhinderungspflege, die Angehörigen notwendige Auszeiten ermöglicht, soll als eigenständiger Leistungsanspruch abgeschafft werden.
Doch der Pflegebedarf verschwindet nicht, nur weil die Finanzierung gestrichen wird. Was professionelle Dienste nicht mehr übernehmen können, bleibt an den Angehörigen hängen. Und wer sich diese Unterstützung privat nicht leisten kann, muss eben selbst sehen, wie der Alltag funktioniert.
Pflege ist auch eine Klassenfrage
Die geplanten Kürzungen treffen nicht alle gleichermaßen. Wer Geld hat, kann zusätzliche Hilfe bezahlen. Wer wenig verdient, muss verzichten oder selbst einspringen. Gleichzeitig geraten ambulante Hilfsangebote wirtschaftlich unter Druck, wenn ihre Finanzierung wegbricht. Damit stehen auch bezahlte Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Hinzu kommt der Druck auf die Löhne in der professionellen Pflege. Statt Tarifbindung und gute Arbeitsbedingungen zu stärken, will die Bundesregierung bei den Beschäftigten sparen. Dabei sind schlechte Bezahlung, Überlastung und Personalmangel längst Teil der Pflegekrise.
Ob bezahlt im Pflegeberuf oder unbezahlt in der Familie: Wer Menschen pflegt, übernimmt Verantwortung, die uns alle angeht. Diese Arbeit verdient Anerkennung, gute Bedingungen und soziale Absicherung – statt immer neuer Kürzungen.
Und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Die Bundesregierung hat bereits eine Pflegekommission eingesetzt, die weitere Vorschläge zur Begrenzung der Ausgaben erarbeiten soll. Schon zum 1. Juli 2027 soll die nächste Reform in Kraft treten. Statt die Pflege endlich auskömmlich zu finanzieren, droht bereits im kommenden Jahr der nächste Sparhammer.
Solidarität statt Kürzungen
Die Linke stellt sich gegen diese Politik. Ihre Bundestagsfraktion fordert in eigenen Anträgen, die Verhinderungspflege als eigenständigen Anspruch zu erhalten, auf Pflegegrad 1 auszuweiten und die Finanzierung notwendiger Ersatzpflege zu verbessern. Außerdem sollen der Entlastungsbetrag und die Finanzierung von Alltagshilfen erhalten bleiben, damit Pflegebedürftige Unterstützung bekommen und bestehende Versorgungsangebote nicht gefährdet werden.
Mit der geplanten Pflegereform soll es schwieriger werden, einen Pflegegrad zu erhalten. Deshalb ist es wichtig, noch 2026 einen Antrag zu stellen. Entscheidend ist das Datum der Antragstellung, nicht der Begutachtung. Auch wenn diese erst 2027 erfolgt, gelten zunächst die bisherigen Regelungen. Deshalb ruft die Fraktion alle Menschen mit Pflegebedarf auf, ihre Ansprüche jetzt prüfen zu lassen und gegebenenfalls einen Antrag zu stellen. Alle wichtigen Informationen dazu hat sie zusammengestellt.

Doch es braucht mehr als die Verteidigung einzelner Leistungen. Die Pflegeversicherung muss endlich so finanziert werden, dass alle Menschen gut versorgt werden können, ohne daran arm zu werden. Dafür fordert Die Linke eine solidarische Pflegevollversicherung, in die alle einzahlen – auch Gutverdienende, privat Versicherte und Menschen mit Kapitaleinkommen.
Gute Pflege ist keine Frage des Geldbeutels. Und gute Arbeitsbedingungen sind kein Luxus. Beides gehört zusammen.
Artikel wurde am 3. Nov. 2026 gedruckt. Die aktuelle Version gibt es unter https://betriebundgewerkschaft.de/aus-dem-bundestag/2026/11/pflege-ist-arbeit-kein-sparposten/.
