Arbeitsmarkt: Millionen Vollzeitbeschäftigte im Niedriglohn

02. Oktober 2023  AUS DEM BUNDESTAG, KLEINE ANFRAGEN

Der Niedriglohnsektor schrumpft: Aber Mindestlohnerhöhung auf 12 Euro und Fachkräftemangel zum Trotz, stecken noch immer 3,6 Millionen Vollzeit-Beschäftigte in ihm fest – vor allem Frauen und Beschäftigte in Ostdeutschland. Das ergab eine Anfrage von Susanne Ferschl im Namen der Fraktion DIE LINKE an die Bundesregierung. Jedoch dürften aber weit mehr Beschäftigte real weniger im Portemonnaie gehabt haben. Denn während der Anstieg der Löhne mit 3,7 Prozent nahezu unverändert blieb, stiegen die Verbraucherpreise doppelt und die Nahrungsmittelpreise mehr als vier Mal so stark wie im Vorjahr. Die Ergebnisse der Anfrage findet ihr hier.

Ungeachtet der Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro, verdienten 2022 mehr als 3,6 Millionen Beschäftigte weniger als zwei Drittel des mittleren monatlichen Bruttoarbeitsentgelts von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende). Bundesweit liegt bei jedem sechsten sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten (16,5 Prozent) der Lohn unter der Niedriglohnschwelle. Besonders sticht erneut das Gastgewerbe hervor, in dem nach wie vor mehr als jeder zweite sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte zum Niedriglohn arbeitet (56,3 Prozent).

Immerhin ist der Anteil der zum Niedriglohn Beschäftigten mit -1,6 Prozentpunkten 2022 stärker gesunken, als die Jahre zuvor (2021: -0,6 Prozentpunkte; 2020: -0,1 Prozentpunkte), besonders stark in Ostdeutschland (-2,8 Prozentpunkte). Dennoch dürften viele Beschäftigte real weniger im Portemonnaie haben. So stiegen die Verbraucherpreise insgesamt doppelt so stark und die Nahrungsmittelpreise mehr als vier Mal so stark wie im Vorjahr, während der Anstieg der Löhne, gemessen am mittleren monatlichen Bruttoarbeitsentgelt (Medianentgelt), mit plus 3,7 Prozent nahezu unverändert blieb. Zwar fiel der Anstieg für viele zum Niedriglohn Beschäftigte dank der einmaligen Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns höher aus; zum Niedriglohn Beschäftigte müssen aber einen besonders hohen Teil ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben.

Ostdeutschland ist besonders betroffen: Hier lag der Anteil der zum Niedriglohn arbeitenden mit 24,7 Prozent im Jahr 2022 weiterhin wesentlich höher als in Westdeutschland, wo 14,7 Prozent der Vollzeitbeschäftigten zum Niedriglohn arbeiten mussten. Im Vergleich der Bundesländer hat Mecklenburg-Vorpommern den höchsten Anteil an Beschäftigten, die zum Niedriglohn arbeiten, gefolgt von Thüringen, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Unter den westdeutschen Bundesländern schneiden Schleswig-Holstein und Niedersachsen am schlechtesten ab. Bremen hat unter den Stadtstaaten den höchsten Anteil, gefolgt von Berlin und Hamburg.

Susanne Ferschl, stv. Fraktionsvorsitzende von DIE LINKE im Bundestag:

Der immer noch hohe Anteil der zum Niedriglohn Beschäftigten zeigt, dass die einmalige Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro nicht ausreichend war. Erschwerend kommt hinzu, dass die hohe Inflation niedrige Einkommen besonders belastet. Die Menschen in Ostdeutschland sind hiervon ganz besonders betroffen. Die Bundesregierung muss mit einer erneuten kräftigen Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns gegensteuern und einen Maßnahmenplan zur Stärkung der Tarifbindung vorlegen. Sie darf zudem der sich weiter abschwächenden Konjunktur nicht länger einfach nur tatenlos zusehen, denn diese ist bestimmend für die Entwicklung des Arbeitsmarkts. Ein schwacher Arbeitsmarkt ist Gift für die Entwicklung der Löhne und Arbeitsbedingungen und damit auch für die soziale Entwicklung und den Zusammenhalt des Landes insgesamt.

Hier geht es zum Material: Die Anfrage von Susanne Ferschl, die Antwort der Bundesregierung, die Tabellenanhänge und eine übersichtliche Auswertung der Ergebnisse im Einzelnen findet ihr hier auf der Seite der Fraktion DIE LINKE im Bundestag.

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