Nachruf Barbara Borchardt

17. August 2023  ERKLÄRUNGEN UND BESCHLÜSSE

Liebe Genossinnen und Genossen, Barbara Borchardt ist am vergangenen Freitag im Alter von 67 Jahren viel zu früh verstorben. Die Nachricht von ihrem Tod hat uns tief getroffen. Unser Mitgefühl gilt ihren Angehörigen, engsten Freunden und Weggefährten.

Barbara war nicht nur eine umtriebige und erfahrene Kommunal- und Landespolitikerin, sie war auch jahrzehntelang aktives Mitglied der BAG Betrieb & Gewerkschaft und hat unsere Arbeitsgemeinschaft sowohl im Präsidium des Bundesausschusses als auch auf Parteitagen gut vertreten.


Sie brachte nicht nur ihre Erfahrungen mit der Welt der Arbeit im Ostteil der Republik, sondern auch ihr tiefes Wissen aus dem Arbeitslosenverband inhaltlich ein.

Barbara hat uns mit ihrem Wissen um die Geschichte unserer Partei immer wieder beeindruckt. Es war eine Freude, mit ihr zu diskutieren, zu streiten und zu klönen. Immer geradeaus, immer kritisch, immer herzlich.

Ihr Blick auf die DIE LINKE, ihr stetes Einstehen für eine geeinte, starke und vor allem durchsetzungsfähige Partei im Sinne der Klasse, ihre klare Kritik am Kapitalismus und ihr unerschütterlicher Antifaschismus werden uns fehlen.

In Altentreptow bei Neubrandenburg geboren, entschied sich Barbara nach ihrem Abitur für die Kommunalpolitik. Zu DDR Zeiten war sie in den 70ern aktiv im Rat des Kreises in Templin und anschließend Bürgermeisterin, erst in der Gemeinde Rutenberg (heute Teil von Lychen), dann in der Gemeinde Groß Daberkow. In den 80ern schloss sie ihr Studium der Staats- und Rechtswissenschaften ab. Der Kommunalpolitik blieb sie auch nach den Wendejahren treu, war Anfang der 1990er Fraktionsvorsitzende der PDS im Kreistag Strasburg und dann ab 1998 für die PDS und später DIE LINKE im Landesparlament in Mecklenburg-Vorpommern. Hier scheute sie sich auch nicht vor antifaschistischen zivilgesellschaftlichen Bündnissen; sie meldete oft in ihrer Rolle als Landtagsabgeordnete als Versammlungsleiterin Kundgebungen und Demonstrationen gegen Nazis im Bündnis mit antifaschistischen Gruppen an.

Trotz ihrer starken parlamentarischen Ader hatte die Parteiarbeit einen hohen Stellenwert für sie. Sie lebte das Primat der Partei und die Wichtigkeit der demokratischen Willensbildung über die Gremien der Partei. Sie war in der Zeit ihres Wirkens Mitglied des Parteivorstandes, des Erwerbslosenbeirates und lange Jahre Mitglied des Bundesausschusses, auch im Präsidium. Sie trat für die Rechte der bundesweiten Arbeitsgemeinschaften und Zusammenschlüsse ein und vernetzte diese bei Infragestellung dieser Rechte oder in Fragen guter und ausreichender Finanzierung. Barbara war kämpferische und humorvolle Genossin. Ihr unüberbietbarer Optimismus war wichtig für uns Mitkämpfer*innen. Sie hielt mit ihrer Haltung nie hinterm Berg und scheute keinen Konflikt, wenn es für die Parteiarbeit politisch wichtig war.

Unvergessen bleibt, wie Barbara entgegen dem ganzen Sturm von unhaltbaren Anschuldigungen in Mecklenburg-Vorpommern Verfassungsrichterin wurde – als erklärte Antikapitalistin. Das Grundgesetz spricht über die Würde des Menschen, aber nicht, dass dieses Wirtschaftssystem bis in alle Ewigkeit bleiben muss, im Gegenteil. In diesem Sinne: Ruhe in Frieden, Du unbeugsame Sozialistin. Wir vermissen Dich!

In tiefer Trauer,
Bundessprecherinnen und Bundessprecher deiner BAG Betrieb & Gewerkschaft

 

Weitere Nachrufe

Antikapitalistische Linke, Bundessprecher:innen-Rat

Daphne Weber, Mitglied Parteivorstand DIE LINKE

Kondolenzschreiben des Präsidiums des Bundesausschusses

DIE LINKE

DIE LINKE Mecklenburg-Vorpommern

 

Wie wir Barbara in Erinnerung behalten